"Langsam kommen unsere Motoren ins Alter und wir sollten diese mal genauer unter
die Lupe nehmen."
Ein Erfahrungsbericht von käbuse
Die richtige Luftkühlung des Boxermotors ist das A und O für die Laufleistung
und Lebensdauer, wird aber in vielen Fällen nicht erst genommen:
Die Kühlung
ist der Lebensnerv eines Motors, so wichtig wie das Öl, das die Lager schmiert.
Damit die Luft überall ungehindert vorbeistreichen und
den Motor eben
richtig kühlen kann, bedarf er einer periodischen Überprüfung dieses Aggregates.
Ich habe unzählige Motoren aus- und eingebaut
und immer wieder feststellen
müssen, dass das Kühlproblem nicht oder wenig beachtet wird. Da wundert es einem
wirklich, dass solche Motoren
nicht schon lange blockiert haben.
Wahrscheinlich verhindert nur noch die sprichwörtliche Robustheit des VW-Motors
in vielen Fällen ein grösseres
Desaster. Vielfach sind es auch nur
Kleinigkeiten, so zum Beispiel undichte oder fehlende Luftschläuche, welche die
Kühlung nicht mehr ausreichend
bewirken. Wenn nicht richtig gekühlt wird,
dann kann auch nicht gut genug geheizt werden. In beiden Fällen rate ich
dringend, das System zu
überprüfen.
Ein undichter Motor kann meistens kostengünstig abgedichtet werden: Die
meisten Besitzer eines luftgekühlten Boxermotors wissen, dass diese Motoren
etwas
anfällig auf Ölverlust sind. Das ist weiter nicht schlimm, wenn es
sich in Grenzen hält. Doch findet man nach wenigen Tagen auf dem Boden eine
Öllache vor, dann wird es Zeit, die undichte/n Stellen zu suchen. Es gibt da
einige Orte, wo es ausrinnen kann: Nicht sehr schlimm ist es, wenn unten
der
Öldeckel oder die Ölablassschraube undicht sind. Diese beiden Sachen können nach
jedem Ölwechsel auf einfache Weise abgedichtet werden.
Auch die
Ventildeckeldichtung kann ohne grossen Aufwand von aussen ersetzt und
abgedichtet werden. Etwas aufwendiger wird es, wenn die
Stösselröhrchen (die
acht von unten querlaufenden Röhrchen) nicht mehr dicht halten. In diesem Fall
müssen beide Zylinderköpfe abgenommen
werden, was den Ausbau des Motors
voraussetzt. Seit einiger Zeit sind zwar auch Stösselröhrchen erhältlich, die
bei eingebautem Motor
ausgewechselt werden können. Erfahrung habe ich
diesbezüglich nicht, aber ich halte dies in gewissen Fällen für eine gute Sache.
Wenn die Ursache
nicht auf die vorhin beschriebene einfache Art behoben
werden kann, dann muss der Grund des Ölverlustes eruiert werden. Nach einer
gewissen
Kilometerleistung oder durch Alterung wird z.B. auch der grosse
Dichtring hinter dem Schwungrad undicht. Weiter kann auch zwischen dem
Motorgehäuse und dem Zylinder Öl austreten, was jedoch sehr selten ist.
Undicht kann auch der Ölpumpendeckel, die Benzinpumpe oder der
Ölkühler
sein.
Ein weiterer Schwachpunkt habe ich durch undichte Zylinderköpfe festgestellt.
Diese werden gerne zwischen den Köpfen und Zylindern undicht, weil sich
möglicherweise die Schrauben etwas gelockert haben. Es wäre völlig falsch,
einfach die hinter der Kipphebelachse befindlichen Schrauben
anzuziehen,
weil somit nur vier der acht Schrauben nachgezogen werden können. Die übrigen
Schrauben werden nur bei ausgebautem Motor
zugänglich. Zwar ist in den
meisten Fällen eine geringe Verpuffung der Kompression nicht sehr dramatisch,
doch kann dies schon etwas an Leistung
einbüssen. Ein undichter Zylinderkopf
ist möglicherweise von unten her sichtbar, weil etwas Russ und teerartige Masse
austritt. Wer gut hinhört,
kann auch das leichte Verpuffen hören, so wie
wenn ein Auspuff leicht undicht wäre. Solche Reparaturen müssen durch eine
fachkundige Person
ausgeführt werden.
Nicht selten sind die Zylinder unter der Verblechung verschmutzt:. Meistens
kommt ja hinzu, dass die Zylinder und das Innere der Verblechung verschmutzt und
dadurch die Kühlung nicht mehr vollumfänglich gewährleistet ist. Dieser
ölhaltige Schmutz kann auch durch eine Motorwäsche mit heissem Wasser
kaum
entfernt werden und ausserdem sollten Motoren aus verschiedenen Gründen nicht
mit Wasser gewaschen werden. Nur durch das Zerlegen,
bzw. Teilzerlegen eines
Motors, können auch diese Stellen vollumfänglich gereinigt werden.
Viele meiden Motorreparaturen, weil diese in der Regel sehr teuer sind: So
ist es mehr als verständlich, dass viele davon Umgang nehmen, den Motor
auszubauen und
revidieren zu lassen, weil sie die hohen Kosten nicht
auslegen wollen oder können. Dazu kommt, dass es nicht immer leicht ist, eine
Verstrauensperson oder Firma zu finden, welche diese Reparatur zu einem
fairen Preis, fachgerecht und einwandfrei ausführen kann.
Armin hat Erfahrung mit Motorrevisionen: Mit Armin glaube ich einen Fachmann
gefunden zu haben, der es gut versteht, einen luftgekühlten VW-Motor
fachgerecht und sehr preisgünstig zu revidieren. Er ist auch in der Lage,
einen Motor zu prüfen und dem Kunden einen Revisions- und allenfalls
einen
Kostenvoranschlag zu unterbreiten. Diese Gelegenheit habe ich mir nicht entgehen
lassen und die Probe auf Exempel gestartet. So habe ich
Armin ersucht, in
meiner Werkstatt einen 1600-er Motor zu zerlegen, welcher sehr verölt und vor
allem die Zylinder (Kühlung) total verschmutzt
waren. Der Motor lief zwar
gut, was auch die gute Kompression bestätigte, wurde aber offensichtlich
schlecht gewartet, was das schwarze Öl und
vor allem die verkrusteten
Ablagerungen im und um den Motor deutlich zeigten. Die Laufleistung des Motors,
welcher in einem Käfer-Cabrio lief,
betrug ca. 100'000 Km. Vor allem die
Ablagerungen zwischen den Zylindern und den Zylinderköpfen, die bis unter die
Verblechung reichten,
erleichterten uns den Entscheid, den Motor zu
zerlegen. Wir waren gespannt, was da zum Vorschein kommen wird. Die Schrauben
lösten sich, gut
und auch die Zylinderköpfe konnten soweit problemlos
abgenommen werden. Alle vier Zylinder, inklusive dem bekannt berüchtigten 3.,
waren alle
blank und ohne Kratzer. Auch die Zylinderköpfe waren in allen
Belangen in gutem Zustand und die Pleuelstangen wiesen kein Spiel auf. So war
uns
klar, dass wir die Teile nur reinigen und unter Verwendung eines neuen
Motordichtungssatzes (Preis inkl. Stösselröhrchen Fr. 52.--) ohne grösseren
Neuteile Zukauf wieder zusammenbauen können. Obwohl es nicht zwingend nötig
gewesen wäre, habe ich das Schwundrad nachschleifen lassen,
sowie die
Kupplung, die Heizbirnen und den Auspuff ersetzt.
Dank dessen, dass das Innenleben des Motors noch recht gut aussah, konnten
die Reparaturkosten auf dem Minimum gehalten werden. Die Materialkosten beliefen
sich auf rund 700.- Franken, wobei die Heizbirnen
mit über 300 Franken den
Löwenanteil ausmachten, so dass man sagen kann, dieser Aufwand ist kostengünstig
und hat sich gelohnt. Zu berücksichtigen ist, dass dies nur die Materialkosten
sind und die
Arbeitskosten noch hinzukommen. Bei letzteren Kosten kann durch
Eigenleistung, wie Motorausbau, Zerlegen, Reinigungsarbeiten usw. viel
eingespart werden.
Eine Generalrevision des Motors muss gut überlegt sein. Teurer wird es dann,
wenn auch die Zylinder und Zylinderköpfe ausgewechselt werden müssen, wofür
man je nach Bezugsort und Ausführung alleine für diese mindestens etwa 400.-
Franken hinlegt. Wenn zudem das Kurbelgehäuse geöffnet werden
muss, um die
Kurbel- und Nockenwelle und die dazu gehörenden Lager zu erneuern oder
aufzuarbeiten, dann ist die Generalrevision perfekt. In
diesem Fall und
sollte genau gerechnet und überlegt werden, ob ein Austauschmotor, sei es ein
komplett überholter Motorblock (ca. 1800.- Fr.) oder
ein neuwertiger
Industriemotor, nicht die bessere und kostengünstigere Lösung wäre. Bei beiden
Ersatzmotoren können die äusseren Aggregate,
wie Kühlgehäuse, Schwungrad,
Heizbirnen, Lichtmaschine, Zündverteiler vom defekten Motor übernommen werden.
Das würde ich aber nur
empfehlen, wenn der originale Motor nicht mehr
vorhanden ist, denn dieser sollte in jedem Fall beim Fahrzeug bleiben.
Den Motor vor der Reinigung und vor dem Zerlegen unbedingt kontrollieren: Der
Motor sollte vorher gründlich kontrolliert (z,B. Laufruhe) und die Kompression
gemessen werden. Es ist wichtig festzustellen, wo er Öl verliert und wie der
Allgemeinzustand ist.
Also, wenn Dein Motor nicht mehr so richtig tickt, zu heiss wird oder viel Öl
verliert, ungewohnte Geräusche verursacht, zu wenig Leistung erbringt, und
dadurch auch zuviel Benzin verbraucht, dann ist es an der Zeit,
etwas zu
unternehmen.
Autor des Berichtes:
Sepp Eberhard Nickname: käbuse
mailto:%20vw_veteranen@hotmail.com
Febr. 2001